Die Strichfarbe ist ein wichtiges Merkmal bei der Mineralbestimmung. Sie bezeichnet die Farbe des feinen Mineralpulvers, das beim Reiben eines Minerals über eine raue, unglasierte Porzellanplatte entsteht.

Im Gegensatz zur äußeren Eigenfarbe eines Minerals ist die Strichfarbe häufig beständiger und kann helfen, ähnlich aussehende Minerale zu unterscheiden. Die Bestimmung lässt sich mit einfachen Hilfsmitteln auch zu Hause durchführen.

Was ist die Strichfarbe?

Die äußere Farbe eines Minerals kann durch Spurenelemente, Einschlüsse oder Veränderungen der Oberfläche beeinflusst werden. Die Strichfarbe zeigt dagegen die Farbe des fein zerriebenen Minerals.

Ein bekanntes Beispiel ist Hämatit: Seine Oberfläche kann stahlgrau, schwarz oder rötlich erscheinen, während die Strichfarbe typischerweise rotbraun bis kirschrot ist.

Bei vielen hellen oder durchsichtigen Mineralen ist der Strich weiß oder nahezu farblos und deshalb weniger aussagekräftig.

Strichfarbe bestimmen – Schritt für Schritt

Für die Untersuchung benötigt man eine Strichtafel (unglasierte Porzellanplatte) und eine saubere Mineralprobe. Alternativ kann die unglasierte Unterseite eines Porzellanobjekts verwendet werden, sofern die Oberfläche ausreichend rau ist.

  1. Strichtafel vorbereiten: Eine saubere, unglasierte Porzellanfläche auswählen.
  2. Mineralprobe auswählen: Eine möglichst frische, unverwitterte Stelle des Minerals verwenden.
  3. Strichprobe durchführen: Das Mineral mit mäßigem Druck über die Porzellanfläche ziehen.
  4. Strichfarbe beobachten: Die Farbe des entstandenen Mineralpulvers bei gutem Licht beurteilen.
  5. Ergebnis vergleichen: Die Strichfarbe mit mineralogischen Referenzwerten vergleichen und weitere Bestimmungsmerkmale berücksichtigen.
    Strichfarbe von Mineralen bestimmen – Anleitung in fünf Schritten mit Strichtafel und Beispielen für Hämatit, Pyrit, Malachit, Azurit, Goethit, Magnetit und Calcit

Wichtig: Eine Strichtafel besitzt gewöhnlich eine Mohshärte von etwa 6–7. Härtere Minerale können die Porzellanoberfläche ritzen, ohne einen aussagekräftigen Pulverstrich zu hinterlassen. Bei solchen Proben ist die Strichprobe nur eingeschränkt geeignet.

Achtung: Die Untersuchung kann empfindliche Kristalle beschädigen. Mineralstaub sollte nicht eingeatmet werden. Besonders bei unbekannten, möglicherweise giftigen oder schwermetallhaltigen Mineralen sollte auf eine pulvererzeugende Prüfung verzichtet werden.

Typische Strichfarben von Mineralen

Rot bis rotbraun: Hämatit (rotbraun bis kirschrot), Cuprit (braunrot).

Gelb bis gelbbraun: Goethit (gelbbraun bis braun), Limonit (meist gelbbraun; Gemenge verschiedener Eisenoxide und -hydroxide).

Schwarz bis dunkelgrau: Magnetit (schwarz), Graphit (schwarz bis dunkelgrau), Galenit (bleigrau).

Grünlich bis schwarz: Chalkopyrit (grünlich-schwarz), Pyrit (grünlich-schwarz bis bräunlich-schwarz).

Weiß bis hell: Calcit, Fluorit, Gips, Baryt, Malachit (hellgrün).

Blau: Azurit (hellblau).

Die angegebenen Strichfarben sind typische Richtwerte. Verunreinigungen, Verwitterung und Beimengungen können das Ergebnis beeinflussen.

Strichfarbe und Mineralfarbe – der Unterschied

Die Mineralfarbe beschreibt das äußere Erscheinungsbild eines Minerals. Die Strichfarbe ist dagegen die Farbe seines feinen Pulvers.

So können Pyrit und Gold eine ähnliche gelbliche Oberfläche besitzen. Ihre Strichfarben unterscheiden sich jedoch deutlich: Pyrit zeigt einen dunklen Strich, Gold einen goldgelben.

Die Strichfarbe ist besonders bei opaken, metallisch glänzenden Mineralen ein hilfreiches Unterscheidungsmerkmal.

Fazit

Die Strichfarbe lässt sich mit einer unglasierten Porzellanplatte einfach bestimmen und liefert besonders bei metallisch glänzenden Mineralen wichtige Hinweise auf die Mineralart.

Für eine zuverlässige Mineralbestimmung sollte sie zusammen mit anderen Eigenschaften wie Mohshärte, Dichte, Glanz und Spaltbarkeit beurteilt werden.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Mineralien bestimmen – Merkmale und Methoden der Mineralbestimmung sowie im Mineralien-Lexikon.